Schnabelkerfe (Hemiptera) - Wissenswertes und Artensteckbriefe
Zu den Schnabelkerfen (Hemiptera) zählen so unterschiedliche Tiere wie Wanzen, Zikaden, Blattläuse, Schildläuse und Blattflöhe – eine bemerkenswert vielgestaltige Insektenordnung mit weltweit rund 80.000 beschriebenen Arten, von denen allein in Mitteleuropa mehrere tausend vorkommen. Ob winzig oder auffällig gefärbt, auf Blättern, in Gewässern oder sogar auf der Wasseroberfläche – Schnabelkerfe zeigen eine erstaunliche Formenvielfalt. Diese Seite stellt 204 ausgewählte Arten im Detail vor.
Habitus und Körperbau
Trotz ihrer Verschiedenheit besitzen Schnabelkerfe einen charakteristischen Grundbau. Die Mundwerkzeuge sind zu einem typischen Stechrüssel (Rostrum) umgewandelt, in dem steife Stechborsten aus Mandibeln und Maxillen liegen. Sie durchdringen Gewebe und ermöglichen das Aufsaugen von Flüssigkeiten. Die meisten Arten besitzen zwei Flügelpaare, andere sind kurzflügelig oder gänzlich flügellos.
Lebensweise und Entwicklung
Die meisten Schnabelkerfe leben an Pflanzen und saugen deren Leitungs- oder Gewebesäfte. Doch es gibt auch räuberische Wanzen, die kleine Gliederfüßer erbeuten, sowie wenige Arten, die Blut saugen. Ihre Lebensräume reichen von Wäldern und Wiesen bis zu Süßgewässern. Die Entwicklung verläuft ohne Puppenstadium: Aus dem Ei schlüpft eine Nymphe, die dem erwachsenen Tier bereits ähnelt und sich mehrfach häutet. Erst nach der letzten Häutung ist die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier abgeschlossen.
Stammesgeschichte und Systematik
Die Hemiptera gehören innerhalb der Neuflügler zu den Paraneoptera und sind nah mit Fransenflüglern und Staubläusen verwandt. Heute werden vier große Linien unterschieden: Pflanzenläuse (Sternorrhyncha), Zikaden (Auchenorrhyncha), Scheidenschnäbler (Coleorrhyncha) und Wanzen (Heteroptera).
Bedeutung für Mensch und Natur
Schnabelkerfe sind fester Bestandteil des ökologischen Gleichgewichts und beeinflussen Pflanzenbestände. Räuberische Arten regulieren andere Insekten, während viele Schnabelkerfe selbst Vögeln, Amphibien und anderen Tieren als Nahrung dienen. Einige Blattläuse und Zikaden schädigen jedoch Nutzpflanzen oder übertragen Pflanzenkrankheiten.