Kleiner Ohrwurm (Labia minor)

Kleiner Ohrwurm oder Zwerg-Ohrwurm (Labia minor)

Name

Kleiner Ohrwurm (Labia minor)

Familie

Labiidae

Körpergröße

Körperlänge 6–8 mm

Merkmale

Der Kleine Ohrwurm ist die kleinste in Mitteleuropa heimische Ohrwurmart. Adulte Tiere erreichen eine Körperlänge von nur 6 bis 8 mm. Die Grundfärbung ist gelbbraun bis hellbraun, der Körper wirkt insgesamt schlanker und zierlicher als beim bekannteren Gemeinen Ohrwurm. Wie alle Ohrwürmer trägt auch Labia minor am Hinterleibsende eine markante Zange, die sogenannte Cerci. Beim Weibchen ist diese Zange gerade und parallel, beim Männchen deutlich stärker gebogen und asymmetrisch. Ein auffälliges Merkmal sind die voll ausgebildeten, funktionsfähigen Hinterflügel, die unter den kurzen, lederartigen Vorderflügeln (Tegmina) zusammengefaltet ruhen und den Tieren echtes Flugvermögen verleihen.

Lebensraum

Der Kleine Ohrwurm besiedelt vor allem wärme- und feuchtigkeitsbegünstigte Standorte mit reichlich organischem Material. Typische Habitate sind Strohmisthaufen, Komposthaufen, Stallungen sowie Gartenabfallhaufen, wo Verrottungsprozesse für ein konstantes Mikroklima sorgen. Die Art gilt als ausgesprochen synanthrop und kommt daher häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen vor. Labia minor ist ganzjährig anzutreffen, da geeignete Lebensräume wie Mist- und Komposthaufen auch im Winter ausreichend Wärme bieten. Adulte Tiere fliegen bevorzugt in den Abend- und Nachtstunden und werden dabei regelmäßig von künstlichen Lichtquellen angelockt.

Besonderheiten

Anders als viele andere Ohrwurmarten ist Labia minor ein ausgesprochen guter Flieger und nutzt seine Flugfähigkeit aktiv zur Erschließung neuer Lebensräume. Die Art ernährt sich omnivor von verrottendem Pflanzenmaterial, Kot und Fliegenmaden, womit sie eine nützliche Rolle im Abbau organischer Substanz übernimmt. Larven und Imagines teilen dabei weitgehend dieselben Nahrungsquellen und Lebensräume. Ein weiterer Trivialname der Art lautet Zwerg-Ohrwurm, was auf die im Vergleich zu verwandten Arten sehr geringe Körpergröße hinweist. Die Art ist in Europa weit verbreitet und gilt derzeit als nicht gefährdet. Verwechslungen sind am ehesten mit dem Gemeinen Ohrwurm (Forficula auricularia) möglich, der jedoch deutlich größer ist und nicht fliegen kann.