Große Stelzenwanze (Neides tipularius)
Name
Große Stelzenwanze (Neides tipularius)
Familie
Berytidae (Stelzenwanzen)
Körpergröße
Körperlänge 9,5–11,5 mm
Merkmale
Die Große Stelzenwanze ist eine ausgesprochen schlanke, langgestreckte Wanze mit auffällig dünnen, stelzenartigen Beinen und langen, fadenförmigen Fühlern – ein Erscheinungsbild, das an eine Schnake erinnert und ihr den deutschen Namen eingebracht hat. Die Grundfärbung ist gelblich-braun bis strohfarben, was ihr eine hervorragende Tarnung zwischen trockenen Grashalmen und Sandpflanzen verleiht. Der Körper ist schmal und stabförmig, die Schenkel der Beine tragen an den Enden charakteristische kleine Verdickungen (Keulen). Die Fühler sind außerordentlich lang und ebenfalls keulenförmig verdickt. Flügel sind vollständig ausgebildet, die Art ist flugfähig.
Lebensraum
Die Große Stelzenwanze besiedelt trockenwarme, sandige Lebensräume wie Sandmagerrasen, Dünen-Biotope und Sandgruben. Sie ist auf offene, besonnte Flächen mit spärlicher, niedrigwüchsiger Vegetation angewiesen und gilt als charakteristische Art der Sandtrockenrasen. Die Imagines sind von April bis Oktober aktiv und damit über einen langen Zeitraum im Jahr anzutreffen.
Besonderheiten
Die Nahrungspräferenzen unterscheiden sich je nach Entwicklungsstadium: Während die erwachsenen Tiere eine breite Palette an Pflanzen besaugen – darunter Reiherschnabel, Hauhechel, Schmetterlingsblütler und Süßgräser – bevorzugen die Larven gezielt Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Durch ihre extreme Schlankheit und die strohfarbene Tarnung ist die Art trotz ihrer Größe im Gelände schwer zu entdecken. Stelzenwanzen der Familie Berytidae sind insgesamt artenarm und spezialisiert; Verwechslungen sind am ehesten mit anderen schlanken Stelzenwanzen möglich, die jedoch deutlich kleiner ausfallen. Aufgrund ihrer engen Bindung an Sandlebensräume gilt die Art in vielen Regionen Mitteleuropas als gefährdet, da geeignete Biotope durch Bebauung und Sukzession zunehmend verloren gehen.