Listers Dickkiefer-Spinne (Pachygnatha listeri)
Name
Listers Dickkiefer-Spinne (Pachygnatha listeri)
Familie
Tetragnathidae (Streckerspinnen)
Körpergröße
Weibchen 4–6 mm, Männchen 3–5 mm Körperlänge
Merkmale
Die Listers Dickkiefer-Spinne ist eine kleine, eher unscheinbare Spinne mit charakteristisch kräftigen Cheliceren (Kieferklauen), die der gesamten Gattung Pachygnatha ihren Namen geben. Auf dem Prosoma (Vorderkörper) zeigt die Art eine auffällige dunkle Mittelbinde, die als wichtiges Bestimmungsmerkmal gilt. Das Opisthosoma (Hinterleib) ist oval und weist eine bräunlich-gelbliche Grundfärbung mit dunkler Musterung auf. Die Beine sind hell bis gelbbraun gefärbt. Die massiven Cheliceren sind bei Männchen besonders ausgeprägt und dienen zur Unterscheidung von den sehr ähnlichen Arten P. degeeri und P. clercki.
Lebensraum
Die Listers Dickkiefer-Spinne besiedelt feuchte bis nasse Lebensräume, insbesondere feuchte Laub- und Mischwälder, Auwälder, Moorränder sowie Ufergehölze. Die Tiere halten sich bevorzugt in Bodennähe oder in der niedrigen Vegetation auf, wo sie unter Moos, Laub und in der Streuschicht jagen. Anders als viele Verwandte baut sie im Adultstadium kein funktionsfähiges Fangnetz mehr. Die Art ist ganzjährig anzutreffen, da auch überwinterte Adulttiere im Frühjahr aktiv sind. Die Hauptaktivitätszeit liegt zwischen Frühjahr und Herbst, adulte Tiere werden vor allem von Frühjahr bis in den Oktober gefunden.
Besonderheiten
Bemerkenswert ist, dass adulte Pachygnatha-Spinnen ihr Radnetz weitgehend aufgegeben haben und stattdessen als aktive Bodenjäger leben – ein seltenes Beispiel für eine sekundäre Rückkehr zur Jagd ohne Netz innerhalb der netzbauenden Spinnen. Als Jungtiere sind sie dagegen noch in der Lage, kleine Fangnetze zu spinnen. Die Art ist in Mitteleuropa weit verbreitet, aber aufgrund ihrer versteckten Lebensweise und der Ähnlichkeit mit Schwesterarten häufig übersehen. Zur sicheren Bestimmung ist meist eine mikroskopische Untersuchung der Genitalstrukturen notwendig. In der Roten Liste Deutschlands gilt die Art derzeit als nicht gefährdet.