Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia)

Equisetum telmateia ist mit fast 2 Meter unsere größte Schachtelhalm-Art

Name

Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia)

Familie

Equisetaceae (Schachtelhalmgewächse)

Merkmale

Der Riesen-Schachtelhalm ist mit bis zu fast 2 Metern Höhe die größte heimische Schachtelhalm-Art. Er bildet zwei verschiedene Sprosstypen aus: fertile, bräunliche Sporentriebe, die im Frühjahr erscheinen und keine Chlorophyll-haltigen Äste tragen, sowie sterile, weißlich-elfenbeinfarbene Vegetationssprosse mit quirlständig angeordneten, grünen Seitenästen. Die Stängelglieder sind durch charakteristische Scheiden verbunden, die dem Schachtelhalm seinen Namen geben. Die Oberfläche der Sprosse ist durch Kieselsäureeinlagerungen deutlich gerippt und rau.

Standort und Verbreitung

Der Riesen-Schachtelhalm bevorzugt feuchte, kalkhaltige Standorte wie quellige Bachtäler, Erlen-Eschenwälder, Hangquellfluren und schattige Waldränder mit dauerhaft hoher Bodenfeuchtigkeit. Er ist auf nährstoffreiche, basenreiche Böden angewiesen und meidet saure Substrate. Die Art ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Westasiens verbreitet, in Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen und im Alpenvorland anzutreffen. Die sterilen Sprosse sind von Mai bis Oktober zu beobachten, die fertilen Sporentriebe erscheinen bereits im März bis April.

Besonderheiten

Der Riesen-Schachtelhalm gilt als lebendes Fossil: Seine Vorfahren aus der Ordnung der Schachtelhalmartigen erreichten im Karbon vor rund 300 Millionen Jahren Wuchshöhen von bis zu 30 Metern und prägten die damaligen Sumpfwälder maßgeblich. Heute sind Schachtelhalme die einzigen überlebenden Vertreter dieser einst artenreichen Pflanzengruppe. Die Art vermehrt sich über Sporen sowie vegetativ durch unterirdische Rhizome. Verwechslungen sind vor allem mit dem deutlich kleineren Wald-Schachtelhalm möglich, der jedoch an trockeneren Standorten wächst und wesentlich geringere Wuchshöhen erreicht. In der Volksmedizin wurden Schachtelhalme wegen ihres hohen Kieselsäuregehalts traditionell zur Stärkung von Bindegewebe und Knochen eingesetzt.