Dach-Drehzahnmoos (Syntrichia ruralis)

Syntrichia ruralis wächst auf kalkhaltigen Felsen, Mauern oder Dächern

Name

Dach-Drehzahnmoos (Syntrichia ruralis)

Familie

Pottiaceae

Merkmale

Das Dach-Drehzahnmoos bildet dichte, polsterartige Rasen, die je nach Feuchtigkeitsgehalt grün bis bräunlich-golden gefärbt sind. Die Blätter sind zungenförmig und enden in einem charakteristischen, durchscheinenden Glashaar, das über die eigentliche Blattspitze hinausragt. Diese Glashaare verleihen dem Moos bei Trockenheit ein silbrig schimmerndes Aussehen. Die Blattrippe ist kräftig ausgeprägt und läuft in eben dieses Haar aus. Trocken rollen sich die Blätter ein und spreizen sich bei Befeuchtung rasch wieder auf.

Standort und Verbreitung

Das Dach-Drehzahnmoos besiedelt bevorzugt kalkhaltige, trockene Standorte wie Felsen, alte Mauern, Ziegeldächer und Trockenrasen. Es gilt als ausgesprochenes Pioniermoos und kommt in ganz Europa, Nordafrika, Asien sowie Nordamerika vor. In Deutschland ist es weit verbreitet und häufig anzutreffen. Die Art ist ganzjährig zu beobachten, zeigt jedoch ihr typisches grünes Erscheinungsbild vor allem in den feuchteren Monaten von Herbst bis Frühjahr. Sporophyten mit aufrechten Sporenkapseln erscheinen meist im Frühjahr.

Besonderheiten

Eine herausragende Eigenschaft des Dach-Drehzahnmooses ist seine extreme Trockentoleranz. Die Glashaare an den Blattspitzen können kleine Wassertröpfchen aus der Atmosphäre auffangen und die Wasseraufnahme des Mooses unterstützen. Selbst nach längerer Austrocknung kann das Moos nach erneuter Befeuchtung sehr schnell wieder Stoffwechselaktivität aufnehmen; einzelne physiologische Prozesse wie die Photosynthese können sich innerhalb weniger Minuten erholen, während die vollständige physiologische Erholung länger dauern kann. Diese Fähigkeit ist ein Ausdruck seiner ausgeprägten Austrocknungstoleranz und steht im Zusammenhang mit seiner poikilohydrischen Lebensweise. Verwechslungen sind mit ähnlichen Drehzahnmoosen möglich, die jedoch meist kleinere Glashaare oder abweichende Standortansprüche aufweisen. Eine Gefährdung der Art besteht derzeit nicht.