Fingerfrüchtige Schildflechte (Peltigera polydactylon)

Die Fingerfrüchtige Schildflechte wächst auf organischen oder felsigen Untergrund

Name

Fingerfrüchtige Schildflechte (Peltigera polydactylon)

Familie

Peltigeraceae

Merkmale

Die Fingerfrüchtige Schildflechte ist eine mittelgroße bis große Blattflechte mit graugrünem bis bräunlichem Lager, das bei Feuchtigkeit deutlich aufhellt. Die Oberfläche ist glatt bis leicht filzig, die Unterseite zeigt ein ausgeprägtes Adernetz mit hellen bis bräunlichen Rhizinen. Das auffälligste Erkennungsmerkmal sind die aufrecht stehenden, fingerartig aufgerichteten Lappen, die die Apothecien tragen. Diese Fruchtkörper sind sattelförmig und sitzen an den Lappenspitzen, was der Art ihren deutschen Namen verleiht.

Standort und Verbreitung

Die Art besiedelt organische sowie felsige Substrate und ist in lichten Wäldern, an lehmigen Wegrändern und in Zwergstrauchheiden anzutreffen. Sie bevorzugt mäßig feuchte, halbschattige Standorte mit guter Luftfeuchtigkeit. Peltigera polydactylon kommt in weiten Teilen Europas vor, darunter in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Flechte ist ganzjährig zu beobachten, tritt jedoch in feuchten Jahreszeiten besonders deutlich in Erscheinung, da das Lager bei Nässe aufquillt und intensiver gefärbt wirkt.

Besonderheiten

In der Roten Liste Niedersachsens wird die Fingerfrüchtige Schildflechte mit RL 3 (gefährdet) eingestuft. Hauptursachen für den Rückgang sind Lebensraumverlust durch Entwässerung, intensive Forstwirtschaft und Luftverschmutzung, da Flechten als Bioindikatoren besonders empfindlich auf Stickstoffeinträge reagieren. Verwechslungen sind mit anderen Schildflechten möglich, etwa der Gewöhnlichen Schildflechte oder der Hundeflechte, die jedoch keine aufrecht gestellten apothecientragenden Lappen aufweisen. Wie alle Peltigera-Arten lebt die Fingerfrüchtige Schildflechte in Symbiose mit Cyanobakterien, die Stickstoff aus der Luft binden können.