Mauerflechte (Protoparmeliopsis muralis)

Die Mauerflechte wächst auf nährstoffreichen Silikat- oder Kalkgestein

Name

Mauerflechte (Protoparmeliopsis muralis)

Familie

Lecanoraceae

Merkmale

Die Mauerflechte bildet flache, eng dem Untergrund anliegende Krusten, die meist eine rundliche bis unregelmäßig ausgedehnte Form annehmen. Das Lager ist graugrün bis gelblich-grau gefärbt und zeigt eine charakteristisch gelappte Randzone mit strahlenförmig angeordneten, flachen Loben. Im Zentrum des Lagers entwickeln sich die Apothecien – die scheibenförmigen Fruchtkörper – die eine bräunliche bis fleischfarbene Scheibe mit hellem Rand aufweisen. Die Oberfläche des Lagers wirkt oft körnig bis warzig.

Standort und Verbreitung

Die Mauerflechte besiedelt nährstoffreiche Silikat- und Kalkgesteine und ist typisch für anthropogen geprägte Lebensräume wie Mauern, Betonoberflächen, Grabsteine und Pflastersteine. Sie gilt als ausgesprochene Pionierflechte und ist weltweit verbreitet, in Europa besonders häufig in Siedlungsnähe anzutreffen. Die Art ist ganzjährig sichtbar, da Flechten keine ausgeprägte Saisonalität zeigen. Apothecien können das ganze Jahr über beobachtet werden.

Besonderheiten

Die Mauerflechte gilt als Zeigerart für erhöhte Stickstoffeinträge in der Umgebung und profitiert von der Eutrophierung urbaner Standorte. Sie ist eine der häufigsten Flechten in menschlichen Siedlungen und daher ein typischer Vertreter der sogenannten Stadtflechten. Aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Luftverschmutzung und Nährstoffreichtum hat sie sich in vielen Regionen stark ausgebreitet. Verwechslungen sind mit ähnlichen krustigen Gelbflechten möglich, die ebenfalls Mauern und Gestein besiedeln. Die Art wurde taxonomisch neu eingeordnet und trägt heute den gültigen Namen Protoparmeliopsis muralis, nachdem sie lange unter dem Synonym Lecanora muralis geführt wurde.