Stabwanze oder Wassernadel (Ranatra linearis)

Stabwanze Ranatra linearis

Name

Stabwanze oder Wassernadel (Ranatra linearis)

Familie

Nepidae (Wasserskorpione)

Körpergröße

30–35 mm Körperlänge, zuzüglich ca. 30 mm Atemrohr

Merkmale

Die Stabwanze besitzt einen extrem schlanken, stäbchenförmigen Körper, der ihr den deutschen Spitznamen eingebracht hat. Die Grundfärbung ist bräunlich bis graubraun, was eine hervorragende Tarnung zwischen abgestorbenen Pflanzenstängeln und Wasserpflanzen ermöglicht. Charakteristisch ist das lange, zweiteilige Atemrohr am Hinterleibsende, das mit rund 30 mm nahezu die Körperlänge erreicht. Die Vorderbeine sind als Fangbeine ausgebildet und ähneln im Aufbau denen einer Gottesanbeterin – sie dienen dem blitzschnellen Ergreifen von Beutetieren. Obwohl die Art voll entwickelte Flügel besitzt, fliegt sie nur selten.

Lebensraum

Ranatra linearis besiedelt stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit üppiger Unterwasser- und Ufervegetation, etwa Weiher, Teiche, Altwasser und Flachseen. Zu flache Gewässer werden gemieden. Die Tiere halten sich bevorzugt zwischen Wasserpflanzen wie Schilf, Laichkraut oder Tausendblatt auf, wo sie nahezu unsichtbar auf Beute lauern. In Mitteleuropa sind adulte Tiere von Frühjahr bis Herbst aktiv, wobei die Hauptaktivitätszeit in die Monate Mai bis September fällt. Die Überwinterung erfolgt als Imago, häufig im Schlamm oder unter Ufervegetation.

Besonderheiten

Als ausschließlich räuberisch lebende Art erbeutet Ranatra linearis Wasserinsekten, Wasserflöhe, kleine Krebstiere und gelegentlich auch Kaulquappen oder winzige Fische. Die Beute wird mit dem Stechrüssel angestochen und ausgesaugt. Das Atemrohr dient nicht als Saugorgan, sondern leitet Luft von der Wasseroberfläche zu den Stigmen am Hinterleib. Verwechslungsgefahr besteht mit der deutlich selteneren Ranatra chinensis, die jedoch in Mitteleuropa kaum vorkommt. Trotz ihrer Flügel ist Ranatra linearis ein schlechter Flieger und wechselt das Gewässer nur ausnahmsweise. In Deutschland gilt die Art als mäßig häufig, ist jedoch durch Gewässerverschmutzung und den Rückgang strukturreicher Stillgewässer regional gefährdet.