Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium)

Asplenium scolopendrium wächst auf Kalkfelsen oder an Steilhängen

Name

Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium)

Familie

Aspleniaceae (Streifenfarngewächse)

Merkmale

Der Hirschzungenfarn ist durch seine ungefiederten, zungenförmigen Wedel unverwechselbar unter den heimischen Farnen. Die ledrigen Blätter sind glänzend dunkelgrün, am Rand leicht gewellt und können bis zu 60 cm lang werden. Die Basis der Wedel ist herzförmig eingebuchtet. Im Frühjahr treiben neue, hellgrüne Wedel aus, die sich charakteristisch einrollen entfalten. Die Art ist wintergrün, die alten Wedel bleiben also über den Winter erhalten. Auf der Blattunterseite sitzen die Sporenhäufchen in schräg angeordneten, parallelen Doppelreihen, was dem Blatt ein gestreiftes Muster verleiht.

Standort und Verbreitung

Der Hirschzungenfarn bevorzugt schattige, luftfeuchte und klimatisch ausgeglichene Standorte. Er wächst an Kalkfelsen, Steilhängen sowie in feuchten Schluchtwäldern. Auch feuchte, kalkhaltige Mauern und Brunnen werden besiedelt. Die Art ist auf kalkreiche, basenreiche Böden angewiesen und meidet saure Substrate. Verbreitet ist sie in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Westasiens sowie in Teilen Nordamerikas. In Deutschland kommt sie vor allem in Mittelgebirgslagen vor, etwa in Kalkschluchten und an schattigen Hanglagen. Die neuen Wedel erscheinen im Frühjahr, die Pflanze bleibt als Wintergrüne das ganze Jahr über sichtbar.

Besonderheiten

Der Hirschzungenfarn ist eine mehrjährige, ausdauernde Pflanze und gilt in manchen Regionen Deutschlands als gefährdet, da geeignete Kalkfels- und Schluchtwald-Standorte selten sind. Historisch wurde die Art in der Volksmedizin verwendet, etwa bei Leber- und Milzbeschwerden. Eine Verwechslung mit anderen heimischen Farnen ist aufgrund der ungefiederten Wedel kaum möglich, da alle anderen häufigen Farnarten gefiederte Blätter besitzen. Die Art ist ein zuverlässiger Zeigerorganismus für luftfeuchte, kühle Kalkstandorte und damit ein wertvoller Indikator für naturnahe Schluchtwälder.