Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
Name
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
Familie
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Merkmale
Der Rote Fingerhut ist eine auffällige, zweijährige bis kurzlebige Staude, die Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimetern erreicht. Der aufrechte Stängel ist dicht beblättert und leicht behaart. Die wechselständigen Blätter sind eiförmig bis lanzettlich, graugrün und auf der Unterseite filzig behaart. Das charakteristischste Merkmal sind die großen, röhrenförmigen Blüten, die in langen, einseitswendigen Trauben angeordnet sind. Die Blütenkrone ist purpurrot bis rosa, innen mit dunklen, hell umrandeten Flecken gemustert. Selten kommen auch weißblühende Exemplare vor.
Standort und Verbreitung
Der Rote Fingerhut wächst bevorzugt an Waldrändern, auf Kahlschlägen, Lichtungen sowie an Wegrändern und Böschungen. Er bevorzugt saure, nährstoffarme und durchlässige Böden in halbschattigen bis sonnigen Lagen. Die Art ist in weiten Teilen Europas verbreitet, von Westeuropa bis in den Mittelmeerraum, und kommt auch in Mittelgebirgslagen häufig vor. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August. Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch Hummeln, die tief in die Blütenröhre eindringen. Die Samen sind sehr klein und leicht und werden sowohl durch den Wind als auch durch Tiere verbreitet.
Besonderheiten
Der Rote Fingerhut zählt zu den giftigsten Wildpflanzen Mitteleuropas. Alle Pflanzenteile enthalten herzwirksame Glykoside, insbesondere Digitoxin und Digoxin, die bereits in geringen Mengen lebensgefährlich sein können. Vergiftungserscheinungen umfassen Übelkeit, Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall Herzstillstand. Trotz seiner Giftigkeit hat die Pflanze medizinische Bedeutung: Wirkstoffe aus dem Fingerhut werden in der Schulmedizin zur Behandlung von Herzinsuffizienz eingesetzt. Homöopathisch findet er Anwendung bei Herzschwäche, Kopfschmerzen und Gicht. Verwechslungen mit dem Großblütigen Fingerhut sind möglich, weshalb das Sammeln der Pflanze unbedingt zu vermeiden ist.