Finger-Becherflechte (Cladonia digitata)
Name
Finger-Becherflechte (Cladonia digitata)
Familie
Cladoniaceae
Merkmale
Die Finger-Becherflechte bildet einen zweiteiligen Thallus: Der primäre Lageranteil besteht aus großen, rundlichen, blattartigen Lagerschuppen, deren aufwärts gebogene Ränder fein sorediös sind. Aus diesen Schuppen erheben sich die charakteristischen Podetien, die häufig zugespitzt oder mit unregelmäßigen, eher schmalen Bechern ausgebildet sind. Apothecien und Pyknidien können auffällig rötlich gefärbt sein. Die Unterseite der Lagerschuppen ist weißlich und fein sorediös, die Oberseite graugrün bis gelblichgrün.
Standort und Verbreitung
Die Finger-Becherflechte wächst bevorzugt auf Totholz und an morschen Baumstubben, besonders von Kiefern, sowie auf Rohhumus in lichten Wäldern und Mooren. Sie bevorzugt saure, nährstoffarme und feuchte Standorte. Die Art ist in Europa weit verbreitet und kommt in borealen und gemäßigten Nadelwaldgebieten vor, in Deutschland vor allem in Norddeutschland und in Mittelgebirgslagen. Ein Fundort war das Rehburger Moor in Niedersachsen im September 2012. Flechten dieser Gattung sind ganzjährig zu beobachten, die Fruchtkörper reifen jedoch bevorzugt im Spätsommer und Herbst.
Besonderheiten
Die Finger-Becherflechte gilt in vielen Regionen als Zeigerpflanze für naturnahe, ungestörte Waldstandorte mit hoher Luftqualität, da sie empfindlich auf Luftverschmutzung reagiert. Sie kann mit ähnlichen Becherflechten verwechselt werden, die ebenfalls rötliche Apothecien tragen; entscheidend sind die stark sorediösen Lagerschuppenränder und die charakteristischen stiftförmigen Fortsätze am Becherrand. In der Roten Liste ist die Art in einigen Bundesländern als gefährdet eingestuft, da geeignete Totholzstrukturen in bewirtschafteten Wäldern zunehmend selten werden.