Der Urzeitkrebs Eubranchipus (Siph.) grubii
in der Samtgemeinde Steimbke 

Während des Erdmittelalters, genannt Mesozoikum, der Zeit von vor 65 bis vor 250 Millionen Jahren, bevölkerten die Sauropoden, - die Dinosaurier - den Erdball. Zeugnis dieses Zeitalters  ist der Saurierpark in Münchehagen.
Die Saurier sind mittlerweile sehr lange verschwunden und ausgestorben. Erhalten sind aus der Kreidezeit, dem Jura und dem Trias, also dem Mesozoikum, die Urzeitkrebse. Bezeichnet werden sie als so genannte „Lebende Fossilien“. Alljährlich gibt es in der Samtgemeinde Steimbke Stellen wo das Vorkommen und die Entwicklung dieser seltenen Blattfußkrebse, beobachtet werden kann.
Von den großen Urzeitkrebsarten, den Großbranchiopoden, gibt es den mit wissenschaftlichen Namen bezeichneten „Eubranchipus (Siphonophanes) grubii Dyb.“ an mehreren Stellen im Gebiete von Rodewald bis Stöckse.  Einen regelmäßig verwendeten deutschen Namen gibt es für diesen „Blatt- und Kiemenfüßler“ nicht. Bezeichnet wird diese Tierart gelegentlich als Feenkrebs, als Fischförmiger Kiemenfuß oder der Übersetzung des alten wissenschaftlichen Namens Chirocepalus nach als Handköpfchen.  Eines der vielen Besonderheiten dieser Tiere  ist die lange Existenz in ihrer heutigen äußeren Erscheinung auf unserem Erdball. Während die Mehrzahl der Lebewesen sich über die Zeiten von vielen Generationen den sich ständig verändernden Umweltbedingungen anpasste bzw. es versuchte sich anzupassen, haben die Urzeitkrebse ihr äußeres Erscheinungsbild seit vielen Millionen Jahren nicht verändert. Nahe verwandte Arten unseres „Feenkrebses“ existieren schon viel länger, es wird vermutet vor bis zu 400-500 Millionen Jahren, vielleicht sogar bis in das erdzeitliche Kambrium.

Biotopfoto Biotopfoto - Stelle mit Feenkrebse zwischen Rodewald und Suderbruch (Ldkr. SFA)

In der Samtgemeinde Steimbke ist der Feenkrebs in seinem größten Vorkommen zwischen Lohe und Steimbke, dem kleinen Wäldchen rechtsseitig an der Straße und den umliegenden Gräben und Senken, zu finden.
Urzeitkrebs Eubranchipus (Siph.) grubii
Prachtexemplare von Eubr. grubii. Aufnahme von Tieren der Rotlohe in Esperke

Andere Stellen sind: - Linksseitig vor Stöckse, aus Richtung Steimbke kommend, eine kleine Bauminsel mit Senke inmitten einer Ackerfläche; - Das Wäldchen nordwestlich von Klein Varlingen ; - Gräben zwischen Wenden und Klein Varlingen bzw. nordwestlich des Generalsberges und ein stehendes Grabengewässer am Rande eines Erlensumpfes zwischen Rodewald und der Haidmühle.

Eine mir mit Krebsen bekannte Wiesensenke zwischen Wendenborstel und Klein Varlingen ist trotz aller Bemühungen leider nach einem Gespräch mit dem Besitzer verfüllt worden und wurde zu Ackerland umgebrochen. Bis auf das Biotop zwischen Steimbke und Lohe sind die Fundstellen oft unscheinbare, eher pfützenhafte, wenige m²-große, flache Senken. In diesen temporären Kleingewässern sammelt sich auch nicht jedes Jahr Wasser. Wenn doch, dann fällt es oft im April oder Mai schon wieder trocken. Unser Eubranchipus grubii ist auf solche periodischen, zeitweilig trockenfallende Gewässer regelrecht angewiesen. Als Kaltwasserkrebs beginnt die Entwicklung bereits im Winter und bis in den April hinein sind die Tiere erwachsen und wohl jedes Weibchen legt dann um die 100 so genannte Dauereier. Diese Dauereier sind sehr beständig, können viele Jahre im Trockenen liegen, brauchen die Trockenheit sogar und müssen, wie es oftmals in der Literatur erwähnt wird, um sich entwickeln zu können ordentlich vom Frost durchfroren sein.

Das seltene Vorkommen von Urzeitkrebsen sollte Anlass sein uns dieser wenigen Fundstellen anzunehmen. Trotz oben beschriebener negativer Erfahrungen ist der Kontakt mit den Besitzern der Grundflächen, auf denen das Vorkommen der Krebse nachgewiesen wurde, sehr zu empfehlen. Gesetze und Verordnungen hat der Mensch sich schon zur Genüge geschaffen und sind nicht immer der richtige und beste Weg. Leider sind unebene Flächen, ob in Wäldern, auf Wiesen und in der sonstigen freien Landschaft nicht gut zu bewirtschaften, aber für viele Tiere und Pflanzen sind sie äußerst wichtige Lebensräume.        

von Klaus-Peter Pryswitt