Fledermausforschung: Wir markieren den
Großen Abendsegler (Nyctalus noctula)

In unseren zahlreichen Nistkästen konnten in den vergangenen Jahren weit über 2000 Fledermäuse und 13 Arten festgestellt werden. Programm ist die seltenen Fledermausarten, wie z.B. die Bechsteinfledermaus, besonders zu fördern und Erfahrungen und Wissen über die Ansprüche dieser Arten an ihre Lebensräume zu sammeln. Die Bechsteinfledermaus ist eine sehr anspruchsvolle Art und lebt bei uns vornehmlich in feuchten Laubwäldern und in den Dörfern. Alte Obstbäume und natürliche, dörfliche Strukturen sind für die Fledermaus lebenswichtig und nicht exotische Blumenrabatten und Rasenflächen. Das eigene und private Natur-Verständnis ist gefragt und nicht das behördliche Obrigkeitsdenken mit Reglementierungen. Quartiere und Nahrungsangebot sind die entscheidenden Faktoren. Neben dem Aufhängen weiterer Nisthöhlen in geeigneten Gebieten bleibt besonders der Erhalt alter und hohler Bäume ein vorrangiges Ziel unserer Schutzbemühungen.

Ein weiteres Programm ist Anfang 2002 entstanden. Es konnten zunehmend Große Abendsegler in den Nistgeräten festgestellt werden. Auf Antrag und mit Genehmigung dürfen wir die zwei wandernden Fledermausarten, den Großen Abendsegler (Nyctalus noctula) und die Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), mit speziellen Flügelklammern markieren.

Für den Großen Abendsegler wurde vorerst vermutet, dass der Bestand  in den Nisthöhlen wohl etwa 100 Tiere umfassen würde. Überraschenderweise konnten bisher in den drei Jahren von 2002 bis 2004 weit über 1000 Abendsegler gefunden werden. Ein ständiges Kommen und Gehen findet in den Nistgeräten statt. Durch Funde unserer von uns selbst markierten Tiere ist mittlerweile eine immense Datensammlung entstanden. Wir können nun Aussagen zum Wanderverhalten, zur Überwinterung, zur Altersstruktur und z.B. zur sozialen und geschlechtlichen Zusammensetzung der Gruppen treffen.

Beispielhaft für ein kleines Untersuchungsgebiet gibt es in der Osterheide (Gebiet Nr. 7 – die Floor), südlich der Haidmühle in Rodewald o/B, die folgenden Ergebnisse:, In dem vornehmlich mit Kiefern bewachsenen Waldstück konnten ab dem Jahre 2002 die ersten Abendsegler festgestellt werden. Nistgeräte hängen in diesem Wald seit über 25 Jahren. Es wurden in neuerer Zeit einige Höhlen dazugehängt. In den drei Jahren 2002 bis 2004 konnten 12 Große Abendsegler neu markiert werden und 15 Tiere waren bereits anderweitig gekennzeichnet worden. Von den 27 nun beringten Fledermäusen waren der größere Anteil Männchen, nämlich 17 Tiere. Vermutlich sind die Männchen die Pioniere und immer auf der Suche nach neuen Quartieren, so wurden 2002 vorerst nur sechs Männchen angetroffen.

Große Abendsegler (Nyctalus noctula)
Neun Tiere wurden mehrfach kontrolliert, hielten sich also für längere Zeit im Gebiet auf. Von den Wiederfunden auswärtiger Tiere kommen etwa 50 % der Tiere aus den angrenzenden Wäldern in Niedernstöcken, Entfernung ca. 1 bis 1,5 km. Ein Abendsegler kam aus Stöckendrebber (etwas über 4 km), einer vom Rodewalder Wiehbusch (etwa 3 km) und der vermutlich weiteste Direktflug eines neu markierten Tieres stammt hier aus dem Hägt (Im Häge)  Rodewald nördlich der B 214, in ca. 6-7 km Entfernung, den Nisthöhlen des Natur- und Vogelschutzvereines Alpe-Niederung.

Ein Männchen wurde ursprünglich im Birkenwald an der Alpe beim Naturschutzgebiet Rodewalder Wiehbuschwiesen beringt, fand sich später in Niedernstöcken wieder, hielt sich dort eine zeitlang auf, wechselte in die Osterheide, um schließlich ein letztes Mal in Stöckendrebber wieder gefunden zu werden. Von solchen Vagabunden wird es bei den Abendseglern vermutlich einige geben. Von den in der Floor neu markierten Tieren wurde in dem Zeitraum bis 2004 bisher noch kein Tier außerhalb wieder gefunden. Jahreszeitlich sind bis Ende November Große Abendsegler in den osterheider Kästen nachzuweisen, also muss in der Nähe ein Winterquartier vorhanden sein; Es bleibt spannend.

Klaus-Peter Pryswitt